Kritiken zu „Im Traum ist mir heller“

Im Traum ist mir heller“ 

Höhen und Tiefen der jüdischen Geschichte: Am Sonntag spielte die Tübinger Klezmer-Band Jontef in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche.

Mössingen (8.3.2015) Groß war die Vorfreunde in der voll besetzten Martin-Luther Kirche beim Besuch der Tübinger Klezmerband Jontef, die hier die Reihe der Geistlichen Konzerte fortführte. Viele der Besucherer innerten sich noch an den letzten Besuch des Ensembles vor einigen Jahren–so dass man sich schnell auf einer gemeinsamen Wellenlänge wieder traf.

Der in Israel geborene Schauspieler und Sänger Michael Chaim Langer und seine drei Musikerkollegen Joachim Günther (Klarinette und Akkordeon), Wolfram Ströle (Violine und Gitarre) und Peter Falk am Kontrabass führten das Publikum mit Geschichten einer jüdischen Familie durch den Abend.

Die Musik der vier Tübinger zeichnet sich durch eine Virtuosität aus, die sie unaufdringlich in den Dienst ihrer Mitteilung zustellen wussten. Das Quartett überzeugte denn auch durch nahtlose Geschlossenheit und flexible Kommunikation. Melancholische und übermütige Melodien, Wechsel von Dur und Moll, harmonische Rückungen, Takt- und Tempowechsel, reine Instrumentalstücke, Duos mit Geige und Kontrabass und Trios mit Klarinette, Gitarre und Bass schufen mit vierstimmigen Vokalpassagen einen ganz eigenen vielfarbig abwechslungsreichen orchestralen Kosmos.

Texte und Melodien des visionären Programms „Im Traum ist mir heller“ aus der eigenen Feder des Komponisten und Mitspielers Joachim Günther verbanden sich da - bei zu dichten Botschaften aus dem Leben des polnischen Juden Samuel Singer: Impolnischen Bels auf gewachsen heiratet Singer, entkommt den Pogromen – gefolgt von seiner Braut – durch die Flucht nach Amerika und besucht nach vierzig Jahren, inzwischen zu Wohlstand gekommen, seine Eltern. Zu seiner Überraschung hat sich im Stetl seit dem nichts verändert. Immer noch gibt es nicht einmal eine Bank, so dass selbst das Geld, das er über Jahre geschickt hat, noch unberührt da liegt. Man hatte im Dorf bei aller Bescheidenheit ja alles – nur eben keinen Bedarf.

Die vier Reisenden führten ihr Publikum mi tschlitzohrigem Humor und ansteckender Vitalität durch Höhen und Tiefen jüdischen Empfindens. Das – vieldeutig brennende – Stetl, in dem sich keiner zum Löschen bereit findet, die Großeltern, die sich mit der Verständigung ihre ramerikanischen Verwandtschaft von Generation zu Generation schwerer tun, schließlich der Holocaust, der außer den Menschen gleich noch die ostjüdische Tradition fast zum Verlöschen brachte, waren Wunden, die im Publikum zu atemlos stiller Betroffenheit führten.

Der intensive Kontakt zwischen Ausführenden und Publikum war vor allem der uneitel lebendigen und authentischen Darstellung durch Michael Chaim Langer zu danken, der seine Zuhörer von Anfang an in Bann schlug und seinen Vortrag neben bei noch geschmackvoll und elegant mit Vasentrommel und Tambourin würzte. ....Mit herzlichem Beifall bedankte sich das niveauvoll unterhaltene und zur Nachdenklichkeit angeregte Publikum nach zwei Zugaben beiden Künstlern. aöu

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„Im Traum ist mir heller“

Ellwangen. Eingeladen hatte die evangelische Kirchengemeinde zu dem zweistündigen Konzert. Den einhundert Gästen im Festsaal des Speratushauses wurde die Welt des jüdischen Humors und deren ganz eigenes Lebensgefühl einfühlsam vermittelt.

Wenn „Bulbes“ besungen werden, es ein Lied zu „Masltow“ und zur „Die grine Kusine“ gibt, dann steht Klezmermusik auf dem Programm. Die aus dem Raum Tübingen stammende, 1988 gegründete Band mit Wolfram Ströle (Violine, Gitarre), Peter Falk (Kontrabass) und Komponist Joachim Günther (Klarinette, Akkordeon) hat unter anderem den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg gewonnen. Getragen wurde der Abend neben der hervorragenden Musik von dem in Israel gebürtigen Schauspieler Michael Chaim Langer. Sein Part als Erzähler der Geschichte des Samuel Singer aus Lentczyn in Polen ließ die Zuhörer das jüdische Leben im kleinen Dorf vor dem geistigen Auge entstehen. Fröhliche Musik zur Hochzeit, ein wahres Wiegen und Summen im Freudentaumel. Dann übergangslos „Unser Stetl brent“, Progrome suchen das Land heim. Samuel flüchtet und wandert aus nach Amerika.

Herrlich anzusehen und zu hören wie die vier Musiker sich zu den Klängen „What can you mach, ‘ is ‘Amerika“ wie ein dicker Ozeandampfer hin und her wogen. Samuel wird reich und kommt das erste Mal nach vierzig Jahren in sein altes Dorf zu seinen Eltern zurück. Melodiöse Musik voll Lebensfreude trug das ganz eigene Lebensgefühl und den speziellen jüdischen Humor in die Seele der Zuhörer, die am Ende begeistert um Zugabe klatschten.

 

© Schwäbische Post 20.03.2014 (SABINE FREIMUTH)

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